Fortbildungssymposium für Ärztinnen und Ärzte, Pflegende, Seelsorgerinnen und Seelsorger und Interessierte
"Lieber wütend als traurig?"
"Lieber wütend als traurig." – Das ist ein Zitat aus einer Biografie über die Journalistin und Terroristin Ulrike Meinhof, die dies aus dem Gefängnis an ihre Töchter schrieb. Wut ist ein starkes Gefühl. Wir begegnen der Wut im Alltag manchmal unverschleiert, manchmal indirekt oder als passive Aggression. Wut über Verluste, über das eigene Schicksal, auf Schuldige oder vermeintlich Schuldige. Aber ist sie ein Heilmittel gegen Trauer, ist Wut besser als Trauer? Möglichen Antworten wollen wir uns in dieser Tagung nähern.
Die Akademie für medizinische Fortbildung der ÄKWL und der KVWL und Trauerarbeit Hattingen e.V. heißen Sie zu der Veranstaltung in Hattingen herzlich willkommen.
Inhalte der Tagung
Die Veranstaltung öffnet mit einem kreativen Einstieg und einem musikalischen Auftakt. Eine Einleitung und ein Schlusswort wird es durch Prof. Dr. med. Andreas Tromm geben. Die vier Vorträge des Fortbildungssymposiums sind:
Wut in der Bildenden Kunst – Dr. h. c. Andreas Mertin
Andreas Mertin ist eine überregional anerkannte Kapazität in der theologischen Interpretation von Kunst. Als Dozent hat er in Italien mit Studierenden die bekanntesten Kunstwerke auf ihren Weltbezug untersucht. Wut ist eine Emotion, die jeder Mensch kennt, die aber viel seltener als z. B. Trauer in Bildern festgehalten wird. Dr. Mertin wird uns bekannte und weniger bekannte Werke vorstellen, die Wut thematisieren.
Es kann nicht sein, was nicht sein darf? Von der Wut auf den Patienten – Marieluise Labrie
Ärztlicher und pflegerischer Dienst sind oft mit der Wut von Patienten und Angehörigen konfrontiert, die sich gelegentlich auch gewaltsam äußert. Wie aber sieht es mit der Wut dieser Mitarbeitenden auf Patienten aus? Marieluise Labrie hat als Krankenhausdirektorin diese Wut auf Patienten erlebt. Sie stellt Ursachen und begleitende Gefühle dar und gibt Hinweise zum individuellen und strukturellen Umgang damit.
Wut auf Gott im Buch Hiob – Dr. Ulrike Schrader
Der biblische Hiob gilt landläufig als jemand, der alles ihm auferlegte Leid ergeben trägt – den Tod seiner Kinder, den Verlust seines Besitzes und seine schweren Krankheiten. Vom frommen Dulder ist die Rede, der ein
Vorbild für uns Menschen sei. Schaut man sich die Geschichte aber genauer an, so wird Hiob zu einem
wütenden Rebell. Die Literaturwissenschaftlerin Ulrike Schrader zeigt, welche Herausforderung Hiob für seine
Freunde und auch für seinen Schöpfer tatsächlich war.
Wut bei Kleinkindern als Zeichen unerkannter Bedürfnisse – Lea Lindemann
Wütende Kleinkinder können Eltern, Betreuerinnen und Betreuer sowie Ärztinnen und Ärzte an ihre Grenzen bringen! Oft werden Kinder mit starken Wutausbrüchen pathologisiert. Doch was ist mit solchen Kindern los und wie kommt man an sie heran? Lea Lindemann weiß zu berichten, was hinter der Wut steckt. Wer sie zu deuten weiß, kann sinnvoll und erfolgreich agieren.
Referentinnen und Referenten der Tagung
Dr. h. c. Andreas Mertin, Hagen, Theologe und Kunsthistoriker, Publizist, Ausstellungskurator u. Medienpädagoge
Marieluise Labrie, Aachen, Krankenhausdirektorin i.R., TZI-Coach
Dr. Ulrike Schrader, Wuppertal, Leiterin i.R. der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, Literaturwissenschaftlerin und Autorin
Lea Lindemann, Wuppertal, Lehrerin, Coach und Spezialistin für bedürfnisorientierte Pädagogik
Wissenschaftliche Organisation und Leitung
Prof. Dr. med. Andreas Tromm, Hattingen, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin (z. B. Proktologie, Ernährungsmedizin), Leitender Arzt Endoskopiezentrum am Evangelischen Krankenhaus Hattingen, Vorsitzender der Trauerarbeit Hattingen e.V.
Beate Haude ist Schulreferentin i.R. des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal.
Christoph Ellers ist Leiter des Ressorts Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Leiter der Akademie für medizinische Fortbildung in Münster.
